Rocky-Busfahrer & Matschkuchengesichtspeeling

Bei einem Pauschalurlaub ist offensichtlich alles so durch choreographiert, dass man dem nächsten vorgewarnten und hoch motivierten Mitarbeiter förmlich in die Arme läuft.

Mit den ordentlich gepeinigten Gepäckstücken geht es in Richtung Transfer-Bus. Zu dem Zeitpunkt sieht der Bus samt Fahrer recht unscheinbar aus. Der eher gedrungene Mann winkt mit einem Zettel und grummelt etwas. Offensichtlich möchte er hören, welches Hotel es sein wird. Das Gepäck bleibt jedoch vor dem Bus stehen, obwohl andere Gepäckstücke schon im Laderaum liegen.

Jetzt bin ich misstrauisch. Von dem vorangegangenen murrenden Murmeln verspreche ich mir allerdings nicht so viel, um tatsächlich nachzufragen. Also bleibe ich vor der Bustür stehen. Beobachtend und abwartend schaue ich mich um.

Bereits auf dem Weg zum Bus fragt eine schätzungsweise mehr als doppelt so alte Dame nach dem Buchstaben C.

Sie war wohl daran vorbeigelaufen und auf eine grobe Deutung mit der Hand hin, mit ernstem Gesicht grunzt sie unwirkliche Laute in den Wind. Sie beginnt sich hektisch zu drehen, entdeckt einen Bus und stampft vollkommen unvermittelt sprunghaft los. Quer über die breite Fahrbahn und ohne ein erkennbares Zeichen von Dankbarkeit.

Reisende soll man nicht aufhalten… Zumindest stimmt die Richtung.

Bei der Landung war es noch taghell. Inzwischen kann man die Hand vor den Augen nicht mehr so recht erkennen. Die umgebende Landschaft inszeniert sich als Schattenspiel. Die Bergkuppen setzen sich noch mäßig vom dunklen Himmel ab.

Das ist spannend. Mein Ziel ist erreicht, vor dem kommenden Morgen werde ich aber nicht mehr entdecken können.

Obwohl Start- und Landevorgänge im Flugzeug einen riesen Spaß machen… mit einer Der-Weg-ist-das-Ziel-Motorradfahrt kann so eine Aussicht auf klumpige Wattewölken, die nach und nach glattgezogen werden niemals mithalten.

Das Gepäck hat nunmehr seinen Weg und auch noch Platz im Bauch des Busses gefunden. Überaus „zart“ hat der Busfahrer, der mich irgendwie an eine deutlich geschrumpfte aber nicht weniger motivierte Ausgabe des Hauptdarstellers der Rocky-Filme erinnert, jedes umliegend vorhandene Gepäckstück Mikado artig ineinander verkeilt.

Mit etwas Phantasie – so stelle ich mir vor- ist dieses Konstrukt im Bus-Bauch seine Art, einen Biber Bau künstlerisch frei zu interpretieren.

Vorübergehend beruhigt, nicht ohne Gepäck anzukommen, steige ich ein. Hinten im Bus ist noch einiges frei.

Ich bin sehr froh, die wichtigen Dinge im Handgepäck zu haben. Während der Biberdamm-Architekt den Bus bereits aus dem Flughafengelände steuert, erinnere ich mich an das Stück Kuchen im Handgepäck.

Wie auf Kommando macht Rocky eine Vollbremsung. Im Bestreben mich festzuhalten, ist da relativ nachvollziehbarerweise keine Hand mehr für den Rucksack frei, der vor wenigen Millisekunden noch neben mir auf dem Sitz stand. Kopfüber rauscht er an mir vorbei und landet unfreiwillig verklemmt zwischen den Sitzen.

Zu diesem Zeitpunkt machte ich mir noch überhaupt keine Gedanken um den Biberdamm.

Der Bus röhrt auf und schießt nach vorn – so gut er eben kann. Dieser Bus schaukelt heftig, doch nach kurzer Zeit habe ich mich daran gewöhnt. Mit den Fingern fummle ich den Rucksack wieder zurecht, fest in der Absicht dieses Stück Kuchen zu verputzen. Aktuell bestehen meine bisherigen „Verluste“ im nicht mehr vorhandenen Geruchssinn und den bei der Vollbremsung abgerissenen Fingernagel. Alles gut und schön. JETZT Kuchen!

Wie soll ich es sagen… Der Kuchen hat den spontanen Freiflug nicht gänzlich überstanden. Gestört fühle ich mich dadurch nicht. Nahrungsmittel aus Motorradkoffern können noch ganz andere Deformierungen und Aggregatszustände aufweisen und schmecken ganz vorzüglich!

Auch dieser Kuchen mit seiner matschigen Beschaffenheit von Obstkuchen war – ich nenne es einmal – kunstvoll und formschön verändert.

Die umgebende Folie entferne ich zu etwa einem Drittel und justiere die Kuchenbrösel nach und nach in meinen Mund. Geschmacklich einwandfrei. Der Bus röhrt und es scheint als würde der Bus vorne Kleinwagen verschlucken. Zuerst fährt der Bus auf. Nah. Näher und dann ist das Auto so dicht vor dem Bus, das ich es nicht mehr sehe.

Rocky scheint gerne auch im Gegenverkehr zu überholen, besonders bergauf und vor Kurven. Klar, er kennt seinen Biberdamm-Bus und auch die Straße, die so stockfinster vor uns liegt, versuche ich mir einzureden.
Leichtsinnig vom guten Geschmack öffne ich die Folie weiter. Zu weit. Natürlich fallen jetzt kleine und große Brocken Kuchen auf meine Jeans.

„Na toll“ denke ich und während ich noch versuche die Bröckchen -denn sie zerlegen sich ja immer weiter- aufzusammeln und aufzufuttern, startet Rocky wieder eins seiner Manöver. Ruckartig landet mehr Kuchen in meinen Mund, als hier beabsichtigt war. Die krümeligen Streusel bilden rings um meinen Mund eine Art Peeling und das Obst steuert den Fruchtsäureanteil bei.

Ich muss lachen. Der Kuchen schmeckt nicht nur… Er duftet auch hervorragend. Mein Geruchssinn ist zurück – zumindest wenn der Kuchen fast in der Nase steckt.

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