Türkei 2015 – Tag 5: Thunderstorm ahoy?

Mein bisher einziger Urlaub in die Türkei muss ungefähr 10 Jahre her sein. An den Abreisetag erinnere ich mich trotzdem noch sehr deutlich. 

In der letzten Nacht haben Jessica – meine Schulfreundin seit der ersten Klasse – und ich kein Auge zu machen können. Es gab ein heftiges Unwetter. Namenlose Gegenstände flogen durch die Luft, der Donner krachte und der Wind heulte, gespenstisch untermalt von extremen Blitzen. 

Selbst zu Hause habe ich solche Unwetter nur ganz selten erlebt. Die eigentliche böse Überraschung stand uns jedoch noch bevor. Unser Abflug verzögerte sich um schlappe fünf Stunden. Den Grund dafür nannte man uns erst, nachdem alle Passagiere im Flugzeug und die Türen verschlossen waren: In der Nacht war eine hohe zweistellige Zahl an Blitzeinschlägen in unserem Flugzeug registriert worden, daher habe man die Bordelektronik mehrfach gründlich überprüfen müssen, um in Deutschland landen zu dürfen.

Ich erinnere mich nicht mehr an genaue Zahlen oder an den Namen der Fluggesellschaft. Vielleicht ist das ja auch ganz gut so. Der Rückflug verlief damals völlig problemlos. Trotzdem wäre ich lieber wieder ausgestiegen.

Die aktuelle Situation kommt mir daher bekannt vor. 

Schon während der Nacht prasselt Regen auf die kleine Terrasse vor meinem Zimmer. Frösche quaken immer noch mit dem Regen um die Wette, als ich morgens aufstehe. Mit dem ersten grollenden Donner stehe ich auf dem Balkon und kann die zugehörigen Blitze auf dunklerem Grund vor und in den Wolken betrachten. Es ist 6:20 Uhr.

Nach einer Dusche und einem schnellen Frühstück versuche ich, den geliehenen Koffer zu schließen. Rütteln und Stopfen hilft. Schließlich ist der Koffer tatsächlich zu. Ich ziehe den Koffer im Regen durch die ganze Hotelanlage und blicke etwas entmutigt in den grauen Himmel. Das Wetter für meine Segeltour habe ich mir anders vorgestellt. Wie wird sich dieses Wetter auf die Wellen und somit direkt auf meinen Magen auswirken? Ich versuche optimistisch zu bleiben.

An der Rezeption bestelle ich ein Taxi zur Marina. Von dort soll die Fahrt mit der Gulet beginnen. Die Taxipreise kommen mir plausibel vor. Um nicht übers Ohr gehauen zu werden, frage ich an der Rezeption immer gleich auch nach dem Durchschnittspreis für die jeweilige Distanz. Der Weg zur Marina soll zwischen 15 und 20 Minuten dauern und ca. 45 TL kosten.

Als ich nach draußen komme, stehen zwei Taxen bereit. Das erste ist schon länger dort und hat das Vorrecht, wie mir der Fahrer des zweiten Wagens -der deutlich praktischer parkt- versucht mit den Händen durch die geschlossene Glasscheibe zu erklären. Ok, mir ist das gleich. Aber langsam wird die Zeit knapp. Schließlich möchte ich noch einen Zeitpuffer für die Schiffsuche haben.

Bisher ist mir nach zwei Telefonaten ja nur der Name der Gulet „Eymen Kaptan“ und die Reederei bekannt. Dieses Vorgehen ist aber völlig normal, wie sich später herausstellte.

Die Taxifahrer sind jedoch tiefenentspannt, wie ein typischer Tourist nach dem Dessert-Buffet und bewegen sich entsprechend temperamentbefreit. Mein Fahrer gibt noch Teile seiner Tageszeitung an den anderen Fahrer weiter, fährt den Wagen -umständlicher als jeder Fahranfänger es je tun könnte – vor, um dann den Koffer im Mafia-Kofferraum verschwinden zu lassen.

Dieser Tag verheißt nichts wirklich Gutes. Ich kriege schlechte Laune.

Der Fahrer braust los. Wenigstens fährt er auch entspannt… Als er locker innerhalb meiner Zeitvorstellung in der Hafengegend ankommt und dort nach dem Weg fragt, bin ich beeindruckt und entspanne schon wieder ein wenig. Wer fragt schon gerne nach dem Weg?

44.25 TL kostet die Fahrt. Punktlandung würde ich sagen. Der Koffer ist schnell ausgepackt und die Marina-Information gefunden. Die Eymen Kaptan ist am Steg G zu finden.

Vorne werde ich bereits begrüßt. Mein Pass wird eingesammelt. Die Restzahlung in Euro erfolgt ohne Quittung. Trotzdem ist mir mein Gegenüber sympathisch und bleibt es auch. Alles verläuft optimal.

Die Gulet liegt um die Ecke, wird mir gesagt. Der Steg ist L-förmig und mein Ziel mindestens einen 3-Tage-Marsch entfernt. Jedenfalls ist es nicht so leicht, den Koffer zu transportieren. Der Steg hat an den Verbindungsstücken breite Spalten und über die ganze Länge ziehen sich Leitungen zur Wasser- und Stromversorgung der Boote.

Als ich endlich ankomme, wird mir der Koffer abgenommen und direkt an der Stegkante abgestellt. Er kippt. Ich sehe den Koffer schon in das Hafenbecken plumpsen. Zum Glück reicht meine Reaktionsfähigkeit und auch mein eigener Umkehrschub aus. Weder Koffer noch ich werden jetzt nass.

Über eine freischwebende Brücke von vier oder fünf Metern schwanke ich dann auf die Gulet. Ab hier ist schuhfreie-Barfuß-Zone.  

Die Mutter von Kaptan Eymen stellt türkischen Mocca, Tee und Gebäck auf den Tisch. Sie lächelt freundlich und etwas schüchtern. Von den anderen Gästen an Bord sehe ich bisher noch nichts.

Mal sehen wer sonst noch so hier auf dieser Gulet aufschlägt…


Hier gibt es noch ein kleines Mini-Video von den morgentlichen Aussichten auf den Tag:

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