73 Stunden auf einer Gulet in der türkischen Ägäis

Nachts an Deck einer Gulet in der türkischen Ägäis übernachten?
Mit dem Licht der Sterne und des Mondes einschlafen?
Frischen Wind um die Nase, ein sanftes Schaukeln und feine Wellengeräusche beim Einschlafen?
Hier kommt mein Reisebericht zur Übernachtung an Deck eines Segelschiffes in der Türkei:

Aussicht aus einer kleiner Buch in den Sonnenuntergang von einer Gulet in der türkischen Ägäis

Aussicht aus einer kleiner Buch in den Sonnenuntergang von einer Gulet in der türkischen Ägäis

Barfuß stehe ich nun vor dem großen dunklen Holztisch, der hinten auf der Gulet für die zwölf Passagiere Platz bietet. Mein Koffer wurde eben von Yasar über den schwingenden Steg an Bord gebracht. Ich bin schon auf meine Kabine gespannt. So unerwartet klein und überschaubar, wie das Schiff gerade auf mich wirkt, bin ich froh, diese alleine bewohnen zu können. Rechts und links am Ende des Stegs gibt es eine große Liegefläche. Sieht einladend aus. Unter dem Sonnenschutz kann man es hier sicher sehr gut aushalten. Mir ist warm, obwohl der Mittag noch weit vor uns liegt.

Direkt hinter dem Tisch gibt es einen ersten Treppenabgang, der zu einem Raum führt. Sofort muss ich an ein Wohnmobil denken. Alles ist platzsparend und zielgerichtet aufgebaut. Allerdings fehlt hier das Flair des oftmals missglückten Versuchs, eine gewisse Gemütlichkeit zu erreichen: es ist wirklich gemütlich da drin. Dem Duft nach zu urteilen, ist da unten irgendwo auch die Küche versteckt. Als ich meine vorläufige Beobachtung abgeschlossen habe, ist mein Koffer aus meinem Blickfeld verschwunden. Yasar, ein Matrose (vermutlich) teilt mir die Kabinennummer 5 mit. Mein Weg führt um die Küche herum. Ich sehe einen zweiten Teil des Bootes, die Treppe ist recht steil. Unten liegt ein dicker heller Teppich. Meine Kabine ist ganz vorne, am Ende des Gangs. Der Koffer ist bereits drin, weshalb es mir schwerfällt, einen Platz für meinen zweiten Fuß zu finden. Die Kabine ist tatsächlich so winzig, dass eine zweite Person hätte auf dem Bett sitzen müssen, wobei man dort ja auch den Koffer öffnen muss. Das Bad erinnert mich noch heftiger an ein Wohnmobil. Hier ist allerdings wesentlich mehr aus Holz gebaut, statt aus Plastik geformt.

Nach dieser ersten Sichtung der Schlafsituation für die nächsten drei Nächte zieht es mich sofort wieder an Deck. Ich bin neugierig auf die anderen Mitreisenden. Ganz vorne entdecke ich zwei Personen. Hinten, da von ich eben auch angekommen war, sind auch schon einige weitere Personen eingetroffen. Meine Schwester plaudert bereits mit Beate. Ich stelle mich schnell vor. Beate kommt aus Berlin. Kann man nicht überhören. Großartig! Ich liebe den Hauptstadt-Slang. Dann geht es recht flott. Hände werden geschüttelt, Namen getauscht. Was für eine Truppe.

Kurt – nahezu 70 Jahre alt, Weltumsegler seit 2006 – hat so viel Farbe im Gesicht, ich bin sofort neidisch. Mit völlig akzentfreiem Hochdeutsch stellt er sich kurz vor. Ich freue mich sofort auf die tägliche Dröhnung Seemannsgarn und auf tolle Geschichten seiner Reise. Loleth stammt von den Philippinen, spricht niederländisch und englisch und ist mit einem Deutschen verheiratet.

Neben meiner Schwester, ihrem Freund und mir sind jetzt noch vier Männer Gast auf der Eymen Kaptan. Terry und Dan stellen sich vor. Amerikaner. Douglas und Rudi ebenfalls. Es stellt sich schnell heraus, die vier kennen sich nicht. Wohnen in San Francisco jedoch nur 10 Autominuten voneinander entfernt. Es scheinen Pärchen zu sein, jedoch spricht das hier und jetzt niemand an. Diese Gruppe ist der totale Hammer. Ich beginne zu überlegen, ob Tommy Jaud mit Hummeldumm einen Reisebericht oder einen Roman geschrieben hat. Die nächsten Tage können unmöglich trist und öde werden – ganz unabhängig von dem Boot, dem Wetter und allen sonstigen Eventualitäten.

Wir sind wohl soweit vollständig. Im Laufe des Tages wird noch ein weiteres Pärchen erwartet. Bin gespannt, wie die beiden wohl zu uns transportiert werden. Das Schiff fährt los, nachdem wir alle an dem großen Tisch eine erste Portion türkischen Mocca, Tee und Gebäck genascht haben.

Die nächsten Stunden verlaufen entspannt und wir sprechen viel mit den anderen Gästen. Mit Dan und Terry habe ich mich ganz nach hinten auf die Sitzkissen gesetzt und wir sprechen über Autobahnsperrung wegen Bombenfunden, das deutsche Gesundheitssystem, die völlig wirr gemixten europäischen Wurzeln der beiden und die jeweiligen Sprachkenntnisse. Wie herrlich. Die Zeit vergeht wie im Flug, ich kriege einen Sonnenbrand und wir steuern den ersten Ankerplatz an. Lunch-Time!

Zuckerwattewolken schmelzen vor dem taubenblauen Himmel.

Nach dem Essen verkündet der Kapitän, wir würden hier warten, bis die anderen beiden Gäste eingetroffen sind. Es soll noch etwa vier Stunden dauern.

Damit ist das Meer eröffnet! Zuckerwattewolken schmelzen vor dem taubenblauen Himmel. Aus der Küche duftet es kriminell gut. Die Seeluft macht ja sowas von hungrig.

Zum Abendessen sind Sabine und Michael dann auch dabei. Wie und wann Sie auf das Schiff gekommen sind, habe ich bei all den guten Gesprächen überhaupt nicht mitbekommen.

Abendessen auf einem Segelschiff in der türkischen Ägäis

Abendessen auf einem Segelschiff in der türkischen Ägäis

Das Essen ist köstlich und es gibt leckeren gekühlten Wein. Die Kabinennummer wird auf das Etikett geschrieben. In einem Mix aus englisch und deutsch reichen wir Schüsseln, Brot und Gewürze quer über den langen Tisch. Daran könnte ich mich gewöhnen.

Abends sitzen wir noch eine Weile zusammen, jedoch sind die meisten von der Anreise erschöpft und es kehrt schnell Ruhe ein. Wir ankern wieder in einer kleinen Bucht. Rechts und links sind andere Gulets, Segelschiffe und Yachten sind Sichtweite mit Seilen an Felsen oder Bäumen auf der Insel fixiert.

Ich schlafe überraschend gut in meinem trapezförmigen Bett. Allerdings weiß ich noch nicht so genau, wie ich in diesem kleinen Raum, der direkt an meine Kabine angrenzt, morgen duschen soll.

Die folgenden Tage verlaufen ab jetzt immer gleich gut:

  • Breakfast-Time
  • Swimming-Time
  • Lunch-Time
  • Fahrt in eine andere Bucht
  • Tea-Time
  • Swimming-Time
  • manchmal noch eine andere Bucht
  • Dinner-Time

In kleineren Gruppen führen wir immer wieder Gespräche, lesen, schlafen, entspannen, gehen schwimmen… gänzliche Entspannung. Mit einem kleinen Motorboot kommen immer wieder Händler an die Gulet gefahren. Sie halten Tafeln mit Eis-Abbildungen hoch, sodass man es von unserem höheren Schiff aus erkennen kann. Bis auf Terry kauft allerdings niemand ein Eis.

In dieser Nacht schlafe ich draußen an Deck unter einem wieder sternenklaren Himmel.

Am ersten Tag zieht der Himmel etwas zu. Gut für mich, meine Haut kann sich etwas erholen.

In dieser Nacht schlafe ich draußen an Deck unter einem wieder sternenklaren Himmel. Ich bedauere die Tatsache, dass der Mond so hell scheint, denn sonst würde ich sicherlich noch sehr viel mehr ins Staunen kommen, als jetzt gerade schon. Es sind nicht nur die unendlich vielen Sterne zu sehen, sondern auch richtiger Sternenstaub zwischen den größeren und helleren Sternen. Als könnte man in die Ewigkeit hineinblicken. So etwas kenne ich bisher nur aus dem Planetarium oder von Fotografien per Teleskop. Es ist fast zu schade, überhaupt einzuschlafen, die Luft macht mich allerdings vollkommen müde und ich kann meine Augen nicht mehr offen halten.

Am nächsten Morgen soll es um 5 Uhr früh losgehen. Wir müssen eine Landzunge umrunden und fahren dazu zwischen dem Festland und einer Insel direkt in das nun relativ offene Meer hinaus. Klar, bei Sonnenaufgang. Logisch.

Schlafplatz an Deck beim Sonnenaufgang

Schlafplatz an Deck beim Sonnenaufgang

Ich werde wach wegen dem leichten Regen und dem schaukeln… Spätestens, als die Ankerkette um 5:20 Uhr eingeholt wird, ist aber garantiert das ganze Schiff wach. Nach und nach torkeln alle anderen hundemüde mit kleinen Augen an Deck. Die Bettdecken dabei. So wie wir in diesen Moment, fahren scheinbar alle Gulets zeitgleich los. Vorne auf dem Schiff fallen Kommentare wie „spanische Armada“ oder „Flotte der Morgenröte“. Ein tolles Gefühl, eine wahnsinnige Aussicht und sicherlich ein wirklich spezieller Moment in meinem Leben.

Die tollsten Dinge passieren eben im Morgengrauen…

Regen im Hafen von Marmaris

Regen im Hafen von Marmaris

Wir sehen einen Regenbogen und der Seegang führt bei Loleth zu Übelkeit. Das Frühstück gibt es glücklicherweise erst am nächsten Ankerplatz. Dieser liegt direkt gegenüber von dem Hafen in Marmaris. Die Insel heißt Paradise Island. Das Wetter wird aber immer ungemütlicher und so beschließen wir nach dem Frühstück alle gemeinsam, bereits jetzt in den Hafen einzulaufen.

Dieser Gedanke ist unschlagbar. Das folgende Unwetter lässt Blitze in Masten einschlagen. Die Wucht ist mit jeder Faser im Körper zu spüren und die Regenmengen sind schlichtweg beeindruckend. So schnell und heftig, wie es kam, war es auch wieder weg und wir haben die Stadt und Bazare unsicher gemacht. Das tolle Abendessen an Bord hat sich aber niemand nehmen lassen. Wir bestätigen uns gegenseitig, wie toll die Schiffstour war. Ich werde ganz sicher nochmal eine solche Segeltour unternehmen!

An diesem letzten gemeinsamen Abend zieht es einige von uns zusammen in die Bar Street.
In Marmaris kann man herrlich unter freiem Himmel tanzen…

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Abenteuer, Barfuß, draußen schlafen, Geselligkeit, Meer, Natur, Segelschiff, Sternenhimmel abgelegt und mit , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Gib Deinen Senf dazu! Danke.

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s